New Work SE im Umbruch: XING, Kununu und die Zukunft des Recruitings unter Burda Digital

New Work SE im Umbruch: XING, Kununu und die Zukunft des Recruitings unter Burda Digital

Die Arbeits­welt befin­det sich in einem rasan­ten Wan­del, getrie­ben durch Digi­ta­li­sie­rung und neue Tech­no­lo­gien. Im Zen­trum die­ser Trans­for­ma­ti­on ste­hen Unter­neh­men wie die New Work SE, die mit ihren Platt­for­men XING und Kun­unu maß­geb­lich den deutsch­spra­chi­gen Recrui­ting-Markt prä­gen. Jüngs­te Ent­wick­lun­gen zei­gen eine tief­grei­fen­de Umstruk­tu­rie­rung unter dem Ein­fluss des Mut­ter­kon­zerns Bur­da Digi­tal SE, die sowohl stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tun­gen als auch poten­zi­el­le Ver­käu­fe wich­ti­ger Assets umfasst.

Burda Digitals fester Griff: Die Restrukturierung der New Work SE

Die Hubert Bur­da Media, genau­er gesagt die Bur­da Digi­tal SE, hat ihren Ein­fluss auf die New Work SE mas­siv aus­ge­baut und hält seit Juni 2025 100 % der Antei­le des Unter­neh­mens durch einen Squeeze-out der Min­der­heits­ak­tio­nä­re. Die­ser voll­stän­di­ge Eigen­tums­er­werb lei­te­te eine umfas­sen­de Restruk­tu­rie­rung ein. Der Auf­sichts­rat wur­de von sechs auf drei Per­so­nen redu­ziert, und die Füh­rungs­ebe­ne erleb­te bedeu­ten­de Wech­sel, dar­un­ter die Über­ga­be des CEO-Amtes von Petra von Strom­beck an Hen­ning Rön­ne­berg. Maxi­mi­li­an Preis­ser von Hubert Bur­da Media wur­de zum neu­en Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den gewählt.

Die Restruk­tu­rie­rung der New Work SE ist mit erheb­li­chen Anstren­gun­gen zur Kos­ten­sen­kung ver­bun­den, die auch den Abbau von rund 400 Arbeits­plät­zen umfas­sen. Trotz eines schwie­ri­gen Markt­um­felds und rück­läu­fi­ger Umsatz­er­lö­se im ers­ten Halb­jahr 2024, ins­be­son­de­re im B2C-Seg­ment und bei HR Solu­ti­ons & Talent Access, zei­gen sich ers­te posi­ti­ve Effek­te der Restruk­tu­rie­rung auf das EBITDA im zwei­ten Quar­tal 2024. Die Neu­aus­rich­tung fokus­siert sich nun kon­se­quent auf die Kern­mar­ken XING und Kun­unu, wäh­rend ande­re Mar­ken wie Only­fy wei­ter­hin als Pro­dukt­mar­ken für spe­zi­fi­sche HR-Lösun­gen exis­tie­ren.

XING Strategie 2025: Fokus auf Jobs und B2B-Monetarisierung

Die stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung von XING hin zu einem rei­nen Jobs-Netz­werk ist das Herz­stück der zukünf­ti­gen Stra­te­gie der New Work SE. Ziel ist es, der wich­tigs­te Recrui­ting-Part­ner im deutsch­spra­chi­gen Raum zu wer­den, indem der Zugang zu Talen­ten für Unter­neh­men ver­bes­sert wird. Dies geht ein­her mit einer plan­mä­ßi­gen Reduk­ti­on der B2C-Umsät­ze und einer ver­stärk­ten Kon­zen­tra­ti­on auf die B2B-Mone­ta­ri­sie­rung.

Für 2025 pro­gnos­ti­ziert XING meh­re­re Schlüs­sel­stra­te­gien im Recrui­ting:

  • Acti­ve Sourcing wird uner­läss­lich, da der Wett­be­werb um Fach­kräf­te zunimmt. Unter­neh­men set­zen ver­stärkt auf spe­zia­li­sier­te Tools und Platt­for­men, um pas­si­ve Kan­di­da­ten zu iden­ti­fi­zie­ren und anzu­spre­chen.
  • Employ­er Bran­ding rückt mit Authen­ti­zi­tät und Nach­hal­tig­keit in den Fokus.
  • Social-Media-Recrui­ting wird noch per­so­na­li­sier­ter.
  • Die Bedeu­tung von Soft Skills wie Krea­ti­vi­tät, Empa­thie und Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz nimmt zu, da tech­ni­sche Fähig­kei­ten allein in einer von Auto­ma­ti­sie­rung und KI gepräg­ten Welt nicht mehr aus­rei­chen.
  • Der ver­stärk­te Ein­satz von digi­ta­len Platt­for­men und KI-gestütz­ten Tools soll Pro­zess­ef­fi­zi­enz und Beset­zungs­zei­ten ver­bes­sern.

XING inves­tiert mas­siv in Mar­ke­ting, um die Neu­po­si­tio­nie­rung zu beschleu­ni­gen und neue, jün­ge­re Ziel­grup­pen zu errei­chen, bei­spiels­wei­se durch Part­ner­schaf­ten wie die Haupt­spon­sor­schaft der Bal­ler League.

LinkedIn vs. XING: Ein Wettkampf um den DACH-Markt

Der Wett­be­werb zwi­schen Lin­ke­dIn und XING bleibt inten­siv, ins­be­son­de­re im DACH-Raum. Wäh­rend XING his­to­risch stark in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz ver­an­kert ist und dort vie­le loka­le Geschäfts­be­zie­hun­gen ermög­licht, hat Lin­ke­dIn glo­bal eine wesent­lich grö­ße­re Reich­wei­te mit über 1 Mil­li­ar­de Nut­zern welt­weit. Obwohl XING in der DACH-Regi­on immer noch eine star­ke Nut­zer­ba­sis hat (21,5 Mil­lio­nen in 2022 gegen­über 19 Mil­lio­nen bei Lin­ke­dIn), ver­zeich­net Lin­ke­dIn kon­stan­tes Wachs­tum und hat XING in Öster­reich und der Schweiz bereits über­holt.

Lin­ke­dIn hat sich von einer rei­nen Job­platt­form zu einem umfas­sen­den B2B-Social-Net­wor­king-Hub ent­wi­ckelt, der viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten für Net­wor­king, Mar­ken­bil­dung und glo­ba­le Geschäfts­an­bah­nung bie­tet. XING hin­ge­gen kon­zen­triert sich stär­ker auf den Recrui­ting-Bereich und die loka­le Job­su­che. Für Unter­neh­men, die inter­na­tio­nal rekru­tie­ren oder eine brei­te­re B2B-Prä­senz wün­schen, bie­tet Lin­ke­dIn auf­grund sei­ner Grö­ße und glo­ba­len Aus­rich­tung kla­re Vor­tei­le. Für die geziel­te Anspra­che im deutsch­spra­chi­gen Raum, ins­be­son­de­re für loka­le Job­an­ge­bo­te und den Aus­tausch, behält XING sei­ne Rele­vanz. Die Umsatz­ent­wick­lung spricht eben­falls für Lin­ke­dIn, das im Jahr 2023 einen Umsatz von 16,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ver­zeich­ne­te, wäh­rend XING (New Work SE) im glei­chen Zeit­raum bei 305 Mil­lio­nen Euro lag.

HR-Tech Markt Trends und die Digitalisierung der Arbeitswelt

Der HR-Tech-Markt boomt und wird durch die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung und den Ein­fluss von KI und Auto­ma­ti­sie­rung grund­le­gend trans­for­miert. Für 2025 und dar­über hin­aus prä­gen fol­gen­de Trends den Markt:

  • KI-gestütz­te HR-Trans­for­ma­ti­on: Künst­li­che Intel­li­genz revo­lu­tio­niert alle Berei­che der Per­so­nal­ar­beit, von der Rekru­tie­rung über das Talent Manage­ment bis hin zur Mit­ar­bei­ter­bin­dung. KI-Tools kön­nen Bewer­bun­gen effi­zi­en­ter sich­ten, Inter­view­fra­gen gene­rie­ren und die Can­di­da­te Expe­ri­ence ver­bes­sern.
  • Fokus auf Employee Expe­ri­ence: Unter­neh­men inves­tie­ren in Tech­no­lo­gien, die das Wohl­be­fin­den und die Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ter för­dern, um Talen­te zu bin­den.
  • Fle­xi­ble Arbeits­mo­del­le und hybri­de Tech­no­lo­gien: Remo­te- und Hybrid-Arbeit wer­den durch digi­ta­le Tools und Platt­for­men wei­ter unter­stützt und opti­miert.
  • Skills-basier­tes Talent Manage­ment: Der Fokus ver­la­gert sich von star­ren Job­pro­fi­len zu den tat­säch­li­chen Fähig­kei­ten der Mit­ar­bei­ter und Kan­di­da­ten, um eine pass­ge­naue­re Beset­zung zu ermög­li­chen.
  • Pre­dic­ti­ve Ana­ly­tics und daten­ge­stütz­te Ent­schei­dun­gen: HR-Abtei­lun­gen nut­zen Daten, um fun­dier­te Ent­schei­dun­gen im Recrui­ting und Talent Manage­ment zu tref­fen und die Effi­zi­enz zu stei­gern.
  • Cyber­si­cher­heit und Daten­schutz: Mit der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung stei­gen auch die Anfor­de­run­gen an den Schutz sen­si­bler Mit­ar­bei­ter­da­ten.

Die Digi­ta­li­sie­rung der Arbeits­welt führt zu neu­en Geschäfts­mo­del­len, ver­än­dert Arbeits­in­hal­te und die Orga­ni­sa­ti­on von Pro­zes­sen. Auto­ma­ti­sie­rung und KI ermög­li­chen effi­zi­en­te­re Abläu­fe und fle­xi­ble Arbeits­mo­del­le. Gleich­zei­tig erfor­dert dies von Arbeit­neh­mern eine ste­ti­ge Wei­ter­bil­dung und die Ent­wick­lung digi­ta­ler Kom­pe­ten­zen. Der demo­gra­fi­sche Wan­del ver­stärkt den Bedarf an Auto­ma­ti­sie­rung, da weni­ger Arbeits­kräf­te mehr Auf­ga­ben über­neh­men müs­sen.

Kununu: Verkauf und strategische Neuausrichtung

Eine der über­ra­schends­ten Ent­wick­lun­gen ist der angeb­lich geplan­te Ver­kauf von Kun­unu durch Bur­da Digi­tal SE. Nur weni­ge Mona­te nach der voll­stän­di­gen Über­nah­me der New Work SE und damit auch Kun­unus, deu­ten Wirt­schafts­ma­ga­zi­ne auf einen Ver­kauf für rund 500 Mil­lio­nen Euro im ers­ten Quar­tal 2026 hin. Dies deu­tet auf eine stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung im Digi­tal­port­fo­lio von Bur­da hin.

Kun­unu ist als füh­ren­de Arbeit­ge­ber-Bewer­tungs­platt­form im DACH-Raum ein wich­ti­ger Play­er in der HR-Welt und soll wei­ter­hin wach­sen. Der poten­zi­el­le Ver­kauf könn­te jedoch die Rol­le von Kun­unu inner­halb des New Work SE Öko­sys­tems neu defi­nie­ren oder zu neu­en stra­te­gi­schen Part­ner­schaf­ten füh­ren. Die Fra­ge, war­um Bur­da eine so pro­fi­ta­be­le und markt­füh­ren­de Platt­form so schnell wie­der absto­ßen möch­te, bleibt dabei offen. Eine mög­li­che Erklä­rung könn­te sein, dass Bur­da Kas­se machen will, bevor der Wett­be­werb durch KI-gestütz­te Recrui­ting-Tools das tra­di­tio­nel­le Bewer­tungs­mo­dell unter­gräbt.

Fazit

Die New Work SE durch­läuft unter der voll­stän­di­gen Kon­trol­le von Bur­da Digi­tal SE eine tief­grei­fen­de Trans­for­ma­ti­on. Die Neu­aus­rich­tung von XING als Jobs-Netz­werk mit star­kem B2B-Fokus, mas­si­ve Inves­ti­tio­nen in Mar­ke­ting und die Stär­kung von Kun­unu als Arbeit­ge­ber-Bewer­tungs­platt­form sind kla­re stra­te­gi­sche Pfei­ler für die Zeit bis 2025 und dar­über hin­aus. Der HR-Tech-Markt wird dabei wei­ter­hin von KI und Auto­ma­ti­sie­rung getrie­ben, was effi­zi­en­te­re Recrui­ting-Pro­zes­se und fle­xi­ble Arbeits­mo­del­le ermög­licht. Der mög­li­che Ver­kauf von Kun­unu könn­te jedoch eine wei­te­re Ver­schie­bung in Bur­das Digi­tal­stra­te­gie bedeu­ten. Die Dyna­mik zwi­schen XING und dem glo­bal agie­ren­den Lin­ke­dIn wird den Wett­be­werb im deutsch­spra­chi­gen Raum wei­ter anhei­zen, wobei bei­de Platt­for­men unter­schied­li­che Stär­ken für Arbeits­su­chen­de und Unter­neh­men bie­ten. Ins­ge­samt steht die Arbeits­welt wei­ter­hin im Zei­chen des digi­ta­len Wan­dels, der von Unter­neh­men und Arbeit­neh­mern glei­cher­ma­ßen Anpas­sungs­fä­hig­keit und lebens­lan­ges Ler­nen erfor­dert.