Future-Ready Workforce: KI-Strategien, Mitbestimmung und Datenschutz für Betriebsrat und HR

Future-Ready Workforce: KI-Strategien, Mitbestimmung und Datenschutz für Betriebsrat und HR

Die Arbeits­welt befin­det sich durch den rasan­ten Fort­schritt der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI) in einem fun­da­men­ta­len Wan­del. Unter­neh­men set­zen KI-Stra­te­gien ein, um Pro­zes­se zu opti­mie­ren und die Pro­duk­ti­vi­tät zu stei­gern. Die­se Ent­wick­lung erfor­dert jedoch eine vor­aus­schau­en­de Gestal­tung der Beleg­schaft, um eine ech­te „Future-Rea­dy Work­force“ auf­zu­bau­en. Für Per­so­nal­ab­tei­lun­gen (HR) und Betriebs­rä­te ent­ste­hen dadurch kom­ple­xe Her­aus­for­de­run­gen, ins­be­son­de­re an den Schnitt­stel­len von Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on, Daten­si­cher­heit und Arbeit­neh­mer­rech­ten. Im Zen­trum steht die Fra­ge, wie die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on sozi­al­ver­träg­lich, rechts­kon­form und unter Wah­rung der Mit­be­stim­mung erfol­gen kann, wäh­rend gleich­zei­tig strengs­te Anfor­de­run­gen an den Daten­schutz ein­zu­hal­ten sind. Die­ser Arti­kel beleuch­tet die ent­schei­den­den Hand­lungs­fel­der für alle Akteu­re.

Future-Ready Workforce: Die strategische Rolle von KI in der Arbeitswelt

Die Future-Rea­dy Work­force beschreibt eine Beleg­schaft, die nicht nur tech­no­lo­gisch ver­siert ist, son­dern sich schnell an ver­än­der­te Markt­be­din­gun­gen und neue digi­ta­le Werk­zeu­ge anpas­sen kann. Im Zeit­al­ter der Künst­li­chen Intel­li­genz wan­deln sich die Anfor­de­run­gen an Mit­ar­bei­ter grund­le­gend. Rou­ti­ne­auf­ga­ben wer­den zuneh­mend auto­ma­ti­siert, wodurch der Fokus auf mensch­li­che Kern­kom­pe­ten­zen wie Krea­ti­vi­tät, kri­ti­sches Den­ken und kom­ple­xe Inter­ak­ti­on ver­scho­ben wird.

Für HR-Abtei­lun­gen und das Manage­ment dient der Ein­satz von KI in ers­ter Linie der Effi­zi­enz­stei­ge­rung und der daten­ge­stütz­ten Ent­schei­dungs­fin­dung. Die stra­te­gi­sche Inte­gra­ti­on von KI erfolgt ent­lang des gesam­ten Employee Life­cy­cles:

KI in der Personalgewinnung und im Talentmanagement

KI-Sys­te­me wer­den ein­ge­setzt, um den Pro­zess der Per­so­nal­ge­win­nung zu beschleu­ni­gen und zu objek­ti­vie­ren. Tools kön­nen gro­ße Men­gen von Bewer­bun­gen vor­sor­tie­ren (Pre-Scree­ning), Lebens­läu­fe ana­ly­sie­ren und Kan­di­da­ten mit den Anfor­de­run­gen der Stel­le abglei­chen. Ziel ist die Reduk­ti­on von Ein­stel­lungs­feh­lern und die Stei­ge­rung der Time-to-Hire. Gleich­zei­tig unter­stüt­zen KI-Sys­te­me das inter­ne Talent­ma­nage­ment durch die Iden­ti­fi­zie­rung von High-Poten­ti­als und die Vor­her­sa­ge von Kün­di­gungs­ri­si­ken (Pre­dic­ti­ve Churn Ana­ly­tics).

Stra­te­gisch wich­tig ist hier­bei die Ana­ly­se und Schlie­ßung von Kom­pe­tenz­lü­cken (Skills Gap). Anhand von Leis­tungs­da­ten und zukünf­ti­gen Unter­neh­mens­zie­len iden­ti­fi­ziert die KI, wel­che Fer­tig­kei­ten in der Beleg­schaft feh­len, um in den nächs­ten fünf Jah­ren erfolg­reich zu sein. Dies ermög­licht eine prä­zi­se­re und ziel­ge­rich­te­te­re Gestal­tung der HR-Stra­te­gie und der inter­nen Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men.

Leistungsbewertung und Arbeitsorganisation

Die größ­te Rele­vanz für die Mit­be­stim­mung besitzt KI in der Über­wa­chung und Steue­rung der Arbeits­leis­tung. KI-basier­te Algo­rith­men ana­ly­sie­ren E‑Mail-Kom­mu­ni­ka­ti­on, Tas­ta­tur­ein­ga­ben, Pro­jekt­fort­schrit­te oder die Aus­las­tung von Mit­ar­bei­tern, um indi­vi­du­el­le Pro­duk­ti­vi­täts­kenn­zah­len zu erstel­len.

Die­se Sys­te­me lie­fern dem Manage­ment Daten, die als Grund­la­ge für Ent­schei­dun­gen über Boni, Beför­de­run­gen oder die Arbeits­platz­ge­stal­tung die­nen. Die Auto­ma­ti­sie­rung von Pro­zes­sen kann jedoch auch eine tief­grei­fen­de Ände­rung der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on bewir­ken. Wenn Arbeits­schrit­te neu ver­teilt oder über­wacht wer­den, sind die zwin­gen­den Mit­be­stim­mungs­rech­te des Betriebs­rats nach § 87 Abs. 1 BetrVG betrof­fen. Die Ein­füh­rung sol­cher tech­ni­scher Ein­rich­tun­gen zur Leis­tungs- und Ver­hal­tens­über­wa­chung erfor­dert daher immer eine Betriebs­ver­ein­ba­rung.

Die Notwendigkeit der Qualifizierung

Die erfolg­rei­che Eta­blie­rung einer Future-Rea­dy Work­force erfor­dert die Akzep­tanz und Kom­pe­tenz der Beschäf­tig­ten im Umgang mit KI-Tools. Stu­di­en zei­gen, dass neben tech­ni­scher Exper­ti­se vor allem sozia­le und kogni­ti­ve Fähig­kei­ten (z. B. adap­ti­ves Ler­nen, emo­tio­na­le Intel­li­genz) im Wert stei­gen. Die HR-Stra­te­gie muss daher sicher­stel­len, dass Wei­ter­bil­dungs­pro­gram­me ent­wi­ckelt wer­den, die den Wan­del von repe­ti­ti­ver zu kogni­ti­ver Arbeit beglei­ten.

KI-Strategien im Management: Ethische Herausforderungen und Fairness

Der Ein­satz von KI-Sys­te­men im Per­so­nal­we­sen erzeugt spe­zi­fi­sche ethi­sche Risi­ken, die die Fair­ness und Gleich­be­hand­lung der Beschäf­tig­ten direkt beein­flus­sen kön­nen. Moder­ne KI-Algo­rith­men sind nur so objek­tiv wie die Daten, mit denen sie trai­niert wur­den.

Das Risiko des Algorithmischen Bias

Der schwer­wie­gends­te ethi­sche Man­gel beim Ein­satz von KI ist der Algo­rith­mi­sche Bias (algo­rith­mi­sche Ver­zer­rung). Die­ser ent­steht, wenn die Trai­nings­da­ten his­to­risch gewach­se­ne Ungleich­hei­ten, Vor­ur­tei­le oder Dis­kri­mi­nie­run­gen spie­geln. Ein KI-Sys­tem, das bei­spiels­wei­se anhand his­to­ri­scher Beför­de­rungs­da­ten lernt, wird die in die­sen Daten ent­hal­te­nen Geschlech­ter- oder Alters­un­gleich­hei­ten repro­du­zie­ren und im Zwei­fels­fall ver­stär­ken.

  • Bei­spiel: Wird ein KI-Recrui­ting-Tool mit Daten­sät­zen aus einer his­to­risch män­ner­do­mi­nier­ten Bran­che trai­niert, kann das Sys­tem unzu­läs­si­ger­wei­se männ­li­che Bewer­ber als erfolg­rei­cher ein­stu­fen, selbst wenn es kei­ne offen­sicht­li­chen dis­kri­mi­nie­ren­den Merk­ma­le wie Geschlecht oder Her­kunft ver­ar­bei­tet. Indi­rekt dis­kri­mi­niert das Tool dann durch die Bewer­tung von Sprach­mus­tern oder Hob­bys.

Ein sol­cher Bias führt zur Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes nach Arti­kel 3 des Grund­ge­set­zes sowie des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG). Unter­neh­men tra­gen die Ver­ant­wor­tung, sicher­zu­stel­len, dass ihre KI-Sys­te­me kei­ne direk­te oder indi­rek­te Dis­kri­mi­nie­rung erzeu­gen.

Transparenz, Erklärbarkeit und Haftung

Um Fair­ness zu gewähr­leis­ten, muss die Trans­pa­renz der KI-Ent­schei­dun­gen sicher­ge­stellt wer­den. Dies wird unter dem Begriff Explainable AI (XAI) dis­ku­tiert. Arbeit­neh­mer und Betriebs­rä­te müs­sen ver­ste­hen kön­nen, auf wel­cher Grund­la­ge ein Algo­rith­mus eine Ent­schei­dung getrof­fen hat – sei es die Ableh­nung einer Bewer­bung, die Ein­stu­fung einer Leis­tung oder die Emp­feh­lung einer Gehalts­er­hö­hung.

Der Man­gel an Trans­pa­renz stellt ein erheb­li­ches Pro­blem dar, da vie­le kom­ple­xe Algo­rith­men als „Black Box“ funk­tio­nie­ren. Für den Betriebs­rat ist dies beson­ders rele­vant, da er nach § 80 Abs. 2 BetrVG das Recht auf Ein­sicht und Infor­ma­ti­on über die Funk­ti­ons­wei­se tech­ni­scher Anla­gen zur Leis­tungs­über­wa­chung hat. Eine man­geln­de Erklär­bar­keit ver­hin­dert die effek­ti­ve Wahr­neh­mung der Über­wa­chungs­auf­ga­be.

Eng ver­bun­den damit ist die Fra­ge der Haf­tung. Wenn ein Algo­rith­mus eine feh­ler­haf­te oder dis­kri­mi­nie­ren­de Per­so­nal­ent­schei­dung trifft, muss klar defi­niert sein, wer die Ver­ant­wor­tung trägt: der Ent­wick­ler des Sys­tems, der HR-Mit­ar­bei­ter, der das Sys­tem ange­wen­det hat, oder das Unter­neh­men als Gan­zes. Recht­lich ist hier die Zure­chen­bar­keit ent­schei­dend.

Aufbau einer Ethischen KI-Governance

Um die­se Risi­ken zu mana­gen, ist die Eta­blie­rung einer KI-Gover­nan­ce uner­läss­lich. Dies umfasst die Ein­füh­rung ethi­scher Leit­li­ni­en und Prüf­me­cha­nis­men:

  1. Bias-Audits: Regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung der Trai­nings­da­ten und des Algo­rith­mus auf dis­kri­mi­nie­ren­de Mus­ter, idea­ler­wei­se durch unab­hän­gi­ge Stel­len.
  2. Mensch­li­che Kon­trol­le (Human in the Loop): Sicher­stel­lung, dass wich­ti­ge Per­so­nal­ent­schei­dun­gen nicht rein auto­ma­ti­siert, son­dern durch mensch­li­che Exper­ten vali­diert wer­den.
  3. Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen: Fest­le­gung von Stan­dards für die Erklär­bar­keit des Sys­tems, um Arbeit­neh­mern die Mög­lich­keit zu geben, die Grund­la­gen einer Ent­schei­dung nach­zu­voll­zie­hen und anzu­fech­ten.

Die Ver­pflich­tung, neue Rah­men­be­din­gun­gen für einen „KI-Rechts­rah­men für Gute Arbeit“ zu schaf­fen, der die Mit­be­stim­mung stärkt und den Schutz der Pri­vat­sphä­re sicher­stellt, wird dabei zuneh­mend von Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen gefor­dert. Die Inte­gra­ti­on ethi­scher Grund­sät­ze in die Unter­neh­mens­kul­tur ist somit nicht nur eine mora­li­sche, son­dern eine recht­li­che und stra­te­gi­sche Not­wen­dig­keit, um das Ver­trau­en der Beschäf­tig­ten in die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on zu sichern. Die Basis für alle KI-Anwen­dun­gen ist die Ein­hal­tung stren­ger Daten­schutz­be­stim­mun­gen.

Datenschutz als Grundpfeiler: Rechtliche Anforderungen beim KI-Einsatz

Der Ein­satz von Künst­li­cher Intel­li­genz in Per­so­nal- und Orga­ni­sa­ti­ons­pro­zes­sen basiert auf der Ana­ly­se gro­ßer Men­gen an Infor­ma­tio­nen. Die­se Daten sind in vie­len Fäl­len per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten im Sin­ne des Art. 4 Nr. 1 der Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung (DSGVO). Die Kon­for­mi­tät mit der DSGVO bil­det daher das unver­zicht­ba­re Fun­da­ment jeder KI-Stra­te­gie, ins­be­son­de­re da KI-Sys­te­me oft in sen­si­ble Berei­che wie Leis­tungs­be­wer­tung, Gesund­heit oder Eig­nungs­be­ur­tei­lung ein­grei­fen.

Zulässigkeit und Zweckbindung der Verarbeitung

Grund­sätz­lich muss für jede Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten eine Rechts­grund­la­ge gemäß Art. 6 DSGVO vor­lie­gen. Im Arbeits­ver­hält­nis sind dies häu­fig die Erfül­lung des Arbeits­ver­trags (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO) oder berech­tig­te Inter­es­sen des Arbeit­ge­bers (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO). Spe­zi­ell für das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis gilt in Deutsch­land § 26 des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes (BDSG). Die­ser erlaubt die Ver­ar­bei­tung, wenn sie für die Ent­schei­dung über die Begrün­dung oder die Durch­füh­rung des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses erfor­der­lich ist.

Für Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che ist die Ein­hal­tung des Grund­sat­zes der Zweck­bin­dung (Art. 5 Abs. 1 lit. b DSGVO) von höchs­ter Bedeu­tung. Daten, die bei­spiels­wei­se zur Zeit­er­fas­sung erho­ben wur­den, dür­fen nicht ohne Wei­te­res zur Kali­brie­rung eines KI-basier­ten Leis­tungs­be­wer­tungs­sys­tems genutzt wer­den. Eine trans­pa­ren­te Infor­ma­ti­on der betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter über den genau­en Zweck der KI-Nut­zung ist zwin­gend erfor­der­lich (Art. 13/14 DSGVO).

Besondere Anforderungen bei automatisierten Einzelentscheidungen

Ein kri­ti­scher Punkt bei KI-Anwen­dun­gen ist die Auto­ma­ti­sier­te Ein­zel­ent­schei­dung nach Art. 22 DSGVO. Dies liegt vor, wenn eine Ent­schei­dung, die recht­li­che Wir­kung ent­fal­tet oder Arbeit­neh­mer in ähn­li­cher Wei­se erheb­lich beein­träch­tigt (z. B. Ableh­nung einer Bewer­bung, Berech­nung der Ziel­vor­ga­ben, Ent­las­sungs­vor­schlag), aus­schließ­lich auf einer auto­ma­ti­sier­ten Ver­ar­bei­tung beruht – ein­schließ­lich Pro­fil­ing.

Sol­che Ent­schei­dun­gen sind grund­sätz­lich unter­sagt. Aus­nah­men bestehen nur, wenn die Ent­schei­dung für den Abschluss oder die Erfül­lung eines Ver­tra­ges erfor­der­lich ist, auf­grund von Rechts­vor­schrif­ten zuläs­sig ist oder mit aus­drück­li­cher Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen erfolgt.

Ist eine auto­ma­ti­sier­te Ein­zel­ent­schei­dung zuläs­sig, müs­sen gemäß Art. 22 Abs. 3 DSGVO geeig­ne­te Maß­nah­men zur Wah­rung der Rech­te und Frei­hei­ten sowie der berech­tig­ten Inter­es­sen der betrof­fe­nen Per­son getrof­fen wer­den. Dies beinhal­tet min­des­tens das Recht auf:

  1. Erlan­gung des Ein­grei­fens einer mensch­li­chen Per­son (Human-in-the-Loop).
  2. Dar­le­gung des eige­nen Stand­punkts.
  3. Anfech­tung der Ent­schei­dung.

Für den Betriebs­rat bedeu­tet dies in der Pra­xis, in Betriebs­ver­ein­ba­run­gen fest­zu­le­gen, wann und wie mensch­li­che Kon­trol­le bei KI-gestütz­ten Ent­schei­dun­gen garan­tiert wird.

Datenschutz-Folgenabschätzung und technische Gestaltung

Bei der Ein­füh­rung von KI-Sys­te­men, die umfang­rei­ches Pro­fil­ing oder die Ver­ar­bei­tung beson­de­rer Kate­go­rien per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten beinhal­ten, ist fast immer eine Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung (DSFA) nach Art. 35 DSGVO erfor­der­lich. Die DSFA ana­ly­siert die Risi­ken für die Rech­te und Frei­hei­ten der Beschäf­tig­ten und legt Maß­nah­men zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung fest. Sie ist ein zen­tra­les Doku­ment für den Betriebs­rat, um die Ein­hal­tung des Daten­schut­zes zu über­prü­fen.

Die Gestal­tung der KI-Sys­te­me selbst muss den Grund­sät­zen von Pri­va­cy by Design und Pri­va­cy by Default (Art. 25 DSGVO) ent­spre­chen. Dies bedeu­tet, dass daten­schutz­freund­li­che Vor­ein­stel­lun­gen gewählt wer­den müs­sen und die Tech­nik so kon­zi­piert wird, dass sie die Daten­spar­sam­keit (Mini­mie­rung der erho­be­nen Daten) gewähr­leis­tet. Bei­spiels­wei­se soll­te ein KI-Tool für das Talent­ma­nage­ment nur die Daten ver­ar­bei­ten, die zur Erfül­lung des spe­zi­fi­schen Zwecks unbe­dingt not­wen­dig sind, und nicht unnö­ti­ger­wei­se auf Daten aus dem Gesund­heits­ma­nage­ment zugrei­fen.

Der Deut­sche Gewerk­schafts­bund (DGB) for­dert in Bezug auf die Digi­ta­li­sie­rung einen strik­ten Rechts­rah­men, der Mit­be­stim­mung und siche­re Daten­nut­zung gewähr­leis­tet Mit Digi­ta­li­sie­rung die Arbeits­welt ver­bes­sern | DGB. Die Koope­ra­ti­on zwi­schen HR, Daten­schutz­be­auf­trag­tem und Betriebs­rat ist somit unver­zicht­bar, um Haf­tungs­ri­si­ken zu ver­mei­den und die Rech­te der Beschäf­tig­ten bei der algo­rith­mi­schen Steue­rung der Arbeit zu schüt­zen.

Mitbestimmung gestalten: Die Rolle des Betriebsrats bei Überwachung und Organisation

Die Ein­füh­rung und Nut­zung von KI-Sys­te­men greift tief in die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on und die Leis­tungs­be­wer­tung der Beleg­schaft ein. Damit wird die zwin­gen­de Mit­be­stim­mung des Betriebs­rats nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) aus­ge­löst. Die Mit­be­stim­mungs­rech­te sind nicht nur ein Schutz­in­stru­ment, son­dern das zen­tra­le Gestal­tungs­werk­zeug, um die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on sozi­al­ver­träg­lich zu beglei­ten.

Überwachung durch technische Einrichtungen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG)

Der wich­tigs­te Anknüp­fungs­punkt für die Mit­be­stim­mung bei KI-Sys­te­men ist § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Die­ses erzwin­gen­de Mit­be­stim­mungs­recht greift bei der Ein­füh­rung und Anwen­dung von tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die geeig­net sind, das Ver­hal­ten oder die Leis­tung der Arbeit­neh­mer zu über­wa­chen.

Nahe­zu jedes KI-Sys­tem, das im Bereich HR oder Arbeits­ma­nage­ment ein­ge­setzt wird, erfüllt die­se Vor­aus­set­zung:

  • Pre­dic­ti­ve-Ana­ly­tics-Tools: Sie ana­ly­sie­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mus­ter, Pro­duk­ti­vi­täts­kenn­zah­len oder Arbeits­zei­ten, um Vor­aus­sa­gen über Fluk­tua­ti­on oder Leis­tungs­ab­fall zu tref­fen.
  • Per­for­mance-Track­ing-Sys­te­me: Sie mes­sen in Echt­zeit die Out­put-Rate, Feh­ler­quo­ten oder die Bear­bei­tungs­dau­er von Auf­ga­ben.
  • Auto­ma­ti­sier­te Schicht­pla­nung (WFM): Das Sys­tem kann über die rei­ne Pla­nung hin­aus Prä­fe­ren­zen, Krank­heits­mus­ter oder Pünkt­lich­keit ana­ly­sie­ren.

Es ist uner­heb­lich, ob der Arbeit­ge­ber die Über­wa­chung tat­säch­lich beab­sich­tigt. Ent­schei­dend ist allein die objek­ti­ve Eig­nung der Tech­nik (Bun­des­ar­beits­ge­richt, 10.12.2002, 1 ABR 23/01). Die Leis­tungs- und Ver­hal­tens­da­ten wer­den in KI-Sys­te­men zwar nicht direkt vom Vor­ge­setz­ten ein­ge­se­hen, son­dern von Algo­rith­men ver­ar­bei­tet. Gera­de die­se Intrans­pa­renz der Ver­ar­bei­tung macht die Mit­be­stim­mung jedoch umso not­wen­di­ger. Der Betriebs­rat muss die soge­nann­ten Black-Box-Effek­te regu­lie­ren kön­nen.

Gestaltung von Arbeitsorganisation und Arbeitszeit

Neben der Über­wa­chung lösen KI-Stra­te­gien wei­te­re Mit­be­stim­mungs­rech­te aus:

  • Orga­ni­sa­ti­on und Ablauf der Arbeit (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG): KI ver­än­dert grund­le­gend die Zuwei­sung von Auf­ga­ben (Task Manage­ment) und die Schnitt­stel­len zwi­schen Mensch und Maschi­ne. Die Ein­füh­rung neu­er Arbeits­ab­läu­fe, die durch KI gesteu­ert wer­den, ist mit­be­stim­mungs­pflich­tig.
  • Grund­sät­ze des Per­so­nal­we­sens (§ 94 BetrVG): Wenn KI zur Erstel­lung von Anfor­de­rungs­pro­fi­len, zur inter­nen Stel­len­be­set­zung oder zur Fest­le­gung von Beur­tei­lungs­grund­sät­zen ver­wen­det wird, hat der Betriebs­rat bei den Ein­stel­lungs­richt­li­ni­en mit­zu­wir­ken.

Der Weg zur Betriebsvereinbarung

Die Mit­be­stim­mung bei der Ein­füh­rung von KI-Sys­te­men wird in der Regel durch eine Betriebs­ver­ein­ba­rung (BV) gere­gelt. Da der Betriebs­rat ein umfas­sen­des Initia­tiv­recht besitzt, soll­te er nicht war­ten, bis die KI-Sys­te­me bereits ange­schafft sind, son­dern aktiv auf den Abschluss einer BV drän­gen.

Eine spe­zi­fi­sche KI-Betriebs­ver­ein­ba­rung muss zwin­gend fol­gen­de Aspek­te abde­cken:

  1. Zweck­be­stim­mung und Begren­zung: Exak­te Defi­ni­ti­on, wofür das KI-Sys­tem genutzt wer­den darf (z. B. nur zur Unter­stüt­zung bei der Pla­nung, nicht zur auto­ma­ti­schen Sank­tio­nie­rung).
  2. Daten­ar­chi­tek­tur und Trans­pa­renz: Fest­le­gung, wel­che Daten erho­ben, ver­ar­bei­tet und gespei­chert wer­den. Der Betriebs­rat muss die Ein­gangs- und Aus­gangs­da­ten des Algo­rith­mus nach­voll­zie­hen kön­nen.
  3. Eva­lu­ie­rung des Bias: Regel­mä­ßi­ge Ver­fah­ren zur Über­prü­fung, ob der Algo­rith­mus zu algo­rith­mi­scher Dis­kri­mi­nie­rung (Bias) führt (z. B. Benach­tei­li­gung auf­grund von Alter oder Geschlecht in den Trai­nings­da­ten).
  4. Kor­rek­turme­cha­nis­men und Mensch­li­ches Ein­grei­fen: Sicher­stel­lung, dass auto­ma­ti­sier­te Ent­schei­dun­gen jeder­zeit von einer mensch­li­chen Füh­rungs­kraft über­prüft, kor­ri­giert oder ange­foch­ten wer­den kön­nen (Umset­zung des Art. 22 DSGVO).
  5. Qua­li­fi­zie­rung: Rege­lun­gen zur Schu­lung der betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer und des Betriebs­rats im Umgang mit den neu­en Sys­te­men.

Der Betriebs­rat muss früh­zei­tig, idea­ler­wei­se bereits in der Pla­nungs­pha­se nach § 90 BetrVG, in die stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen des Manage­ments ein­be­zo­gen wer­den, um Gestal­tungs­spiel­räu­me opti­mal nut­zen zu kön­nen. Wie Brit­ta Red­mann betont, ist die digi­ta­le Mit­be­stim­mung nur effek­tiv, wenn der Betriebs­rat auf Augen­hö­he ver­han­deln kann Digi­ta­le Mit­be­stim­mung – Brit­ta Red­mann.

Zukunftsfähigkeit durch Kompetenzaufbau: Schulung und Zusammenarbeit mit KI-Experten

Die Kom­ple­xi­tät moder­ner KI-Sys­te­me stellt Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che vor die Her­aus­for­de­rung, Ent­schei­dun­gen über Tech­no­lo­gien zu tref­fen, deren inter­ne Funk­ti­ons­wei­se oft nur schwer zugäng­lich ist. Um die Mit­be­stim­mungs­rech­te effek­tiv wahr­neh­men und die recht­li­chen Anfor­de­run­gen an Daten­schutz und Fair­ness erfül­len zu kön­nen, ist der Auf­bau von KI-Kom­pe­tenz auf bei­den Sei­ten uner­läss­lich.

Der gesetzliche Schulungsanspruch des Betriebsrats

Der Betriebs­rat hat einen gesetz­li­chen Anspruch auf Schu­lung und Fort­bil­dung, wenn die erwor­be­nen Kennt­nis­se für die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben erfor­der­lich sind (§ 37 Abs. 6 BetrVG). Ange­sichts der fun­da­men­ta­len Aus­wir­kun­gen von KI auf Arbeits­plät­ze, Leis­tungs­über­wa­chung und Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on sind Schu­lun­gen zu digi­ta­ler Trans­for­ma­ti­on, IT-Recht, und den Grund­la­gen der Algo­rith­mik in der Regel als erfor­der­lich anzu­se­hen.

Rele­vant sind ins­be­son­de­re:

  • Grund­la­gen der Algo­rith­men und Machi­ne Lear­ning: Ver­ständ­nis der Unter­schie­de zwi­schen über­wach­tem und unüber­wach­tem Ler­nen, um die Gren­zen der Sys­te­me ein­schät­zen zu kön­nen.
  • Daten­ma­nage­ment und DSGVO: Ver­tie­fung der Kennt­nis­se zur Daten­er­he­bung, Pro­fil­ing und Art. 22 DSGVO.
  • Ver­hand­lungs­tak­ti­ken für IT-Betriebs­ver­ein­ba­run­gen: Spe­zia­li­sier­tes Wis­sen zur Gestal­tung von Rege­lun­gen gegen Bias und für die Trans­pa­renz.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG, 14.01.2015, 7 ABR 89/13) bestä­tigt, dass die Erfor­der­lich­keit gege­ben ist, wenn die Teil­nah­me an der Schu­lungs­ver­an­stal­tung ver­setzt, die aktu­el­len oder in naher Zukunft anfal­len­den Auf­ga­ben sach­ge­recht wahr­zu­neh­men. Die Kos­ten für die­se Qua­li­fi­zie­rung trägt der Arbeit­ge­ber.

Einsatz von Sachverständigen

Wenn die Tech­no­lo­gie der­art kom­plex ist, dass die inter­nen oder durch Schu­lun­gen erwor­be­nen Kennt­nis­se des Betriebs­rats nicht aus­rei­chen, um die Not­wen­dig­keit, Funk­ti­ons­wei­se oder die Aus­wir­kun­gen eines geplan­ten KI-Sys­tems zu beur­tei­len, kann der Betriebs­rat Sach­ver­stän­di­ge hin­zu­zie­hen (§ 80 Abs. 3 BetrVG).

Die Hin­zu­zie­hung eines IT- oder KI-Sach­ver­stän­di­gen ist ein stra­te­gi­sches Instru­ment, um Ver­hand­lun­gen über KI-Betriebs­ver­ein­ba­run­gen auf Augen­hö­he zu füh­ren. Der Sach­ver­stän­di­ge kann die Black-Box des Algo­rith­mus ana­ly­sie­ren, die poten­zi­el­len Über­wa­chungs­funk­tio­nen iden­ti­fi­zie­ren und dem Betriebs­rat hel­fen, spe­zi­fi­sche Rege­lungs­be­dar­fe zu for­mu­lie­ren, die über all­ge­mei­ne Schutz­klau­seln hin­aus­ge­hen. Die Not­wen­dig­keit der Hin­zu­zie­hung muss dem Arbeit­ge­ber recht­zei­tig mit­ge­teilt wer­den.

Etablierung spezialisierter Ausschüsse

Um die KI-Stra­te­gie kon­ti­nu­ier­lich und fach­lich fun­diert beglei­ten zu kön­nen, emp­fiehlt sich die Eta­blie­rung spe­zia­li­sier­ter Gre­mi­en inner­halb des Betriebs­rats. Ein KI-Aus­schuss oder ein erwei­ter­ter IT-Aus­schuss kann:

  • Infor­ma­tio­nen über neue Tech­no­lo­gien zen­tral sam­meln und bewer­ten.
  • Den Kon­takt zu inter­nen Fach­ab­tei­lun­gen (Daten­schutz, IT-Sicher­heit) und exter­nen Exper­ten pfle­gen.
  • Vor­schlä­ge für Schu­lungs­maß­nah­men erar­bei­ten.

Die stän­di­ge Beglei­tung der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on durch einen spe­zia­li­sier­ten Aus­schuss stellt sicher, dass der Betriebs­rat pro­ak­tiv han­delt und nicht erst reagie­ren muss, wenn die KI-Sys­te­me bereits in der Imple­men­tie­rung sind.

Gemeinsame Kompetenzentwicklung mit HR

Der Auf­bau von Exper­ti­se soll­te nicht auf den Betriebs­rat beschränkt blei­ben. Auch die Per­so­nal­ab­tei­lung benö­tigt tief­grei­fen­des tech­ni­sches und ethi­sches Ver­ständ­nis, um KI-Stra­te­gien erfolg­reich und rechts­kon­form umzu­set­zen. Gemein­sa­me Work­shops oder der Aus­tausch von Know-how zwi­schen HR und Betriebs­rat über die ethi­schen Her­aus­for­de­run­gen und die recht­li­chen Fall­stri­cke des algo­rith­mi­schen Bias kön­nen die not­wen­di­ge Basis für eine ver­trau­ens­vol­le und part­ner­schaft­li­che Gestal­tung der Future-Rea­dy Work­force schaf­fen.

Zukunftsfähigkeit durch Kompetenzaufbau: Schulung und Zusammenarbeit mit KI-Experten

Die stra­te­gi­sche Beglei­tung der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on erfor­dert auf­sei­ten des Betriebs­rats und der Per­so­nal­ab­tei­lung (HR) ein hohes Maß an tech­no­lo­gi­schem Ver­ständ­nis. Ohne fun­dier­tes Wis­sen über die Funk­ti­ons­wei­se, die Risi­ken und die Steue­rungs­mög­lich­kei­ten von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI) kön­nen Mit­be­stim­mungs­rech­te nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) nicht effek­tiv wahr­ge­nom­men wer­den. Die Kom­pe­tenz­ent­wick­lung ist daher ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Gestal­tung einer Future-Rea­dy Work­force.

Der Anspruch auf Schulung und Qualifizierung

Betriebs­rats­mit­glie­der haben einen gesetz­li­chen Anspruch auf die Teil­nah­me an Schu­lungs- und Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen, soweit die­se Kennt­nis­se ver­mit­teln, die für die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben erfor­der­lich sind (§ 37 Abs. 6 BetrVG). Ange­sichts der Kom­ple­xi­tät von KI-Sys­te­men – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf algo­rith­mi­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se und Daten­schutz­fra­gen – ist die Not­wen­dig­keit spe­zi­el­ler Schu­lun­gen unbe­strit­ten.

Die­se Schu­lun­gen müs­sen The­men wie Daten­ar­chi­tek­tur, Funk­ti­ons­wei­se von Machi­ne Lear­ning, die Iden­ti­fi­zie­rung von algo­rith­mi­schem Bias und die recht­li­chen Anfor­de­run­gen der Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung (DSGVO) abde­cken. Nur so kön­nen Betriebs­rä­te die Aus­wir­kun­gen neu­er Tech­no­lo­gien auf die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on und die Beschäf­tig­ten rea­lis­tisch ein­schät­zen und ver­hand­lungs­fä­hig blei­ben.

Auch für HR-Ver­ant­wort­li­che ist spe­zi­fi­sches Know-how uner­läss­lich. Um KI-Stra­te­gien ethisch und rechts­si­cher zu imple­men­tie­ren, müs­sen sie über fun­dier­tes Wis­sen ver­fü­gen, das über rei­ne Anwen­der­kennt­nis­se hin­aus­geht. Die gemein­sa­me Qua­li­fi­zie­rung von HR und Betriebs­rat in tech­no­lo­gi­schen und recht­li­chen Fra­gen kann zudem die Basis für eine kon­struk­ti­ve und vor­aus­schau­en­de Zusam­men­ar­beit schaf­fen.

Hinzuziehung externer Sachverständiger

Bei der Ein­füh­rung kom­ple­xer KI-Sys­te­me, deren Tech­no­lo­gie und Aus­wir­kun­gen auf die Beleg­schaft schwer zu über­bli­cken sind, muss der Betriebs­rat exter­ne Exper­ti­se hin­zu­zie­hen kön­nen. Gemäß § 80 Abs. 3 BetrVG kann der Betriebs­rat Sach­ver­stän­di­ge kon­sul­tie­ren, wenn dies zur ord­nungs­ge­mä­ßen Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben erfor­der­lich ist. Die­se Erfor­der­lich­keit ist bei der Beur­tei­lung von KI-Soft­ware, die tief in die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on oder die Leis­tungs­be­wer­tung ein­greift, regel­mä­ßig gege­ben.

Der Sach­ver­stän­di­ge hilft dem Betriebs­rat dabei, die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen des KI-Sys­tems zu ver­ste­hen, die poten­zi­el­len Über­wa­chungs­funk­tio­nen zu iden­ti­fi­zie­ren und die not­wen­di­gen Schutz­maß­nah­men in Betriebs­ver­ein­ba­run­gen fest­zu­le­gen. Die Kos­ten­über­nah­me durch den Arbeit­ge­ber ist dabei Vor­aus­set­zung. Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) bejaht die Hin­zu­zie­hung von IT-Sach­ver­stän­di­gen regel­mä­ßig bei der Ein­füh­rung kom­ple­xer IT-Sys­te­me (z. B. BAG, 14.11.2017, 1 ABR 27/16). Die­se Argu­men­ta­ti­on ist auf moder­ne KI-Sys­te­me über­trag­bar, da die­se oft noch kom­ple­xe­re und dyna­mi­sche­re Fra­ge­stel­lun­gen auf­wer­fen.

Etablierung spezialisierter Ausschüsse

Ange­sichts der Dau­er­haf­tig­keit und Dyna­mik der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on emp­fiehlt sich die Eta­blie­rung spe­zia­li­sier­ter Gre­mi­en. Der Betriebs­rat kann gemäß § 28 BetrVG Aus­schüs­se bil­den und die­sen Auf­ga­ben zur selb­stän­di­gen Erle­di­gung über­tra­gen. Ein Aus­schuss für Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on und KI kann sich kon­ti­nu­ier­lich mit den tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen im Unter­neh­men beschäf­ti­gen, Fach­ex­per­ti­se bün­deln und Früh­warn­sys­te­me auf­bau­en.

Sol­che Aus­schüs­se ermög­li­chen eine vor­aus­schau­en­de Gestal­tung statt einer reak­ti­ven Behand­lung bereits ein­ge­führ­ter Sys­te­me. Sie kön­nen im Vor­feld KI-Pro­jek­te des Manage­ments beglei­ten und sicher­stel­len, dass Daten­schutz und Mit­be­stim­mung bereits in der Kon­zep­ti­ons­pha­se (Pri­va­cy by Design) berück­sich­tigt wer­den.

Die Zusam­men­ar­beit soll­te idea­ler­wei­se über die Betriebs­rä­te hin­aus­ge­hen. Die Ein­rich­tung gemein­sa­mer Arbeits­grup­pen von HR, IT-Abtei­lung und Betriebs­rat, die spe­zi­fi­sches KI-Wis­sen bün­deln, för­dert Trans­pa­renz und Ver­trau­en. Sie dient als Platt­form, um ethi­sche Leit­li­ni­en zu ent­wi­ckeln und Kom­pe­tenz­lü­cken bei den Beschäf­tig­ten früh­zei­tig zu erken­nen und durch geziel­te Qua­li­fi­zie­rung zu schlie­ßen. Nur durch die­sen struk­tu­rier­ten Kom­pe­tenz­auf­bau wird der Betriebs­rat zum gleich­be­rech­tig­ten Part­ner in der Gestal­tung der KI-gestütz­ten Arbeits­welt.

Fazit: Gemeinsam die Zukunft der Arbeit gestalten

Die Ein­füh­rung von Künst­li­cher Intel­li­genz mar­kiert einen tief­grei­fen­den Umbruch, der das Poten­zi­al hat, Arbeits­pro­zes­se effi­zi­en­ter und die Future-Rea­dy Work­force leis­tungs­fä­hi­ger zu machen. Die­ser Wan­del ist jedoch untrenn­bar mit hohen Anfor­de­run­gen an Rechts­si­cher­heit, sozia­le Ver­ant­wor­tung und die Wah­rung von Arbeit­neh­mer­rech­ten ver­bun­den.

Die erfolg­rei­che Imple­men­tie­rung von KI-Stra­te­gien hängt maß­geb­lich von einer part­ner­schaft­li­chen Koope­ra­ti­on zwi­schen HR und Betriebs­rat ab. HR ist gefor­dert, KI-Sys­te­me trans­pa­rent und basie­rend auf kla­ren Ethi­schen Grund­sät­zen ein­zu­füh­ren, um algo­rith­mi­schen Bias und Dis­kri­mi­nie­rung zu ver­hin­dern. Dies erfor­dert eine stren­ge Ein­hal­tung der Vor­ga­ben des Daten­schut­zes, ins­be­son­de­re der DSGVO, bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und der Ver­mei­dung unzu­läs­si­ger auto­ma­ti­sier­ter Ein­zel­ent­schei­dun­gen.

Für den Betriebs­rat ist die pro­ak­ti­ve Nut­zung der zwin­gen­den Mit­be­stim­mungs­rech­te nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG zen­tral. Er muss früh­zei­tig in die Pla­nung und Aus­wahl von Sys­te­men ein­ge­bun­den wer­den, die zur Leis­tungs- oder Ver­hal­tens­über­wa­chung geeig­net sind. Der Abschluss klar struk­tu­rier­ter Betriebs­ver­ein­ba­run­gen sichert dabei die Rech­te der Beschäf­tig­ten.

Um die­se Auf­ga­ben bewäl­ti­gen zu kön­nen, ist die kon­se­quen­te Inves­ti­ti­on in KI-Kom­pe­tenz auf bei­den Sei­ten uner­läss­lich. Schu­lungs­maß­nah­men und die Hin­zu­zie­hung von Sach­ver­stän­di­gen sind kei­ne Optio­na­li­tät, son­dern eine Not­wen­dig­keit zur Wah­rung der Guten Arbeit im digi­ta­len Zeit­al­ter. Nur durch die Eta­blie­rung von Trans­pa­renz, Fair­ness und tech­no­lo­gi­scher Exper­ti­se kann die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on zu einer gerech­te­ren und pro­duk­ti­ve­ren Arbeits­welt füh­ren.

Weiterführende Quellen

I.M.U. Mit­be­stim­mungs­pra­xis Nr. 59, Febru­ar 2024
https://www.imu-boeckler.de/fpdf/HBS-008807/p_mbf_praxis_2024_59.pdf
Die­se Publi­ka­ti­on befasst sich mit der Mit­be­stim­mung bei IT- und KI-Sys­te­men und der Gestal­tung von Arbeits­be­din­gun­gen im Zuge tech­no­lo­gi­scher Ver­än­de­run­gen.

Digi­ta­li­sie­rung & Daten­schutz | Bil­dungs­werk ver.di in …
https://www.bw-verdi.de/angebote/br/pr/jav/sbv/betriebsraete/kategorie/Digitalisierung+Datenschutz/20
Die Quel­le the­ma­ti­siert Rege­lungs- und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten für Betriebs­rä­te im Umgang mit Digi­ta­li­sie­rung, Daten­schutz und KI-Aus­schüs­sen.